Mein Bruder kann tanzen

Still6_MBKTDokumentarfilm, 60 min., 2019

Uraufführung: Wettbewerb Dokumentarfilm, 40. Filmfestival Max Ophüls Preis

https://ffmop.de/programm/film_detail/movie-5c1908e2e9c8d

Regie: Felicitas Sonvilla

Produktion: Florian Brüning & Thomas Herberth

Kamera: Nina Wesemann

Schnitt: Sebastian Schreiner

Musik: Silvius Sonvilla

Mein Bruder kann tanzen. Bekommt er eine Bühne, blüht er auf. Was er nicht so gut kann: Nähe zulassen, zu mir, seiner sechs Jahre älteren Schwester. Ich überrede ihn, einen Film mit mir zu drehen. Ich glaube, dass die gemeinsame künstlerische Arbeit uns wieder näher bringen kann: Ich mache einen Film und er dazu die Musik und den Ton. Aber wir Geschwister können nicht anders: Sofort geraten wir wieder in Konkurrenz. Um die Anerkennung der Eltern, um Erfolg, um die richtige Lebensführung. Ich stehe vor einer doppelten Herausforderung: Ich will meinem Bruder näher kommen, aber ich will auch einen guten Film drehen. Erst einmal gewinnt die Filmemacherin in mir wieder Überhand. Ich will Silvius durch dramatische Situationen kontrollieren.Aber mein Bruder versucht, mich mit allen Mitteln zu unterwandern. Er entzieht sich, zieht Situationen ins Lächerliche, stellt mich bloß. Ihm ist es egal, seine Souveränität zu verlieren, denn er ist nicht greifbar, liebt es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Langsam ahne ich: Ich muss die Kontrolle und den Einfluss auf das Geschehen abgeben und auch zu einer Figur werden, damit der Film gelingen kann. In diesem Moment spüre ich die bittere Wahrheit: Alles dreht sich letztendlich doch um mich selbst.

Darf man einen Film über sich selbst machen, der ausschließlich die eigene emotionale Verfassung zum Thema hat? Silvius Freundin, die uns auf dem Roadtrip begleitet, beantwortet diese Frage: Genervt von den ständigen Eifersüchteleien und Spannungen bricht sie die Dreharbeiten ab und verschwindet. Danach sind wir alleine. Gelingt es und nun endlich, uns zu begegnen?  

Mein Bruder kann tanzen ist ein filmisches Experiment über die (Un)Möglichkeit, eine echte Begegnung über den Prozess des Filmemachens herzustellen. 

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